Golfsport in Deutschland – Kurze Vorgeschichte des Golfsport
Golf gehört inzwischen zu einer der beliebtesten Sportarten und Jung und Alt versuchen ihr Können auf dem Grün zu verbessern. Der Golfsport hat seine Ursprünge nicht wie häufig angenommen in Schottland, sondern in den Niederlanden, wo der Schlägersport im Jahr 1297 unter dem Begriff ‘kolven’ das erste Mal Erwähnung fand. Aufgrund der ersten offiziellen urkundlichen Erwähnung des Golfsports im Jahr 1457 durch König James und der nachfolgend langen Tradition des schottischen Golfs, wird jedoch häufig Schottland als Ursprung dieses Ballsports bezeichnet. In den folgenden Jahrhunderten machte der Golfsport viele Entwicklungen durch, die sich jedoch lange Zeit nur auf Großbritannien beschränkten. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts erreichte der weiße Sport Deutschland.
Die Wiege des deutschen Golfsports in Bad Homburg
Der Kurpark von Bad Homburg stellt quasi die Wiege des deutschen Golfsports dar. Im Jahr 1889 nutzten britische Kurgäste zum ersten Mal die Grünflächen des Parks, um dort ihrem geliebten Sport nachzugehen. 1891 hatte sich diese Freizeitbeschäftigung insbesondere bei den Kurgästen so weit etabliert, dass Bad Homburg den ersten Golfplatz Deutschlands errichten ließ. Von nun an sollte die Entwicklung dieser Sportart auch in Deutschland schnell voran gehen.
Jugendliche Golfspieler in Bad Cannstatt
Wie auch in allen anderen Ländern galt Golf in Deutschland als Sport für die vornehme Oberschicht. Doch fast zeitgleich mit den ersten Kurgästen, die in Bad Homburg die Schläger schwangen, bildete sich 1890 in Bad Cannstatt bei Stuttgart eine Schülergruppe, die sich in ihrer Freizeit mit den britischen Rasensportarten beschäftigte. Um gegen den üblicherweise sehr steifen Turnunterricht der Schulen zu rebellieren, gründeten die Schüler aus Realschulen und Gymnasien einen Sportverein für die typischen englischen Sportarten wie z.B. Rugby, Fußball, Tennis und eben auch Golf. Dabei spielten sie nicht auf gepflegten Wiesen, sondern nahmen gern die Herausforderung zahlreicher Hindernisse in der natürlichen Umgebung der Neckarauen an. Auch die Etikette des britischen Sports war für die Schüler eine zu vernachlässigende Nebensächlichkeit. Diese Art des Golfspielens erinnert ein wenig an die heute mehr oder weniger neu entstandene Form des Crossgolfens.
Philipp Heineken, ein 17jähriger Schüler und Anführer des Sportvereins, kristallisierte sich als bedeutender Sporttheoretiker heraus, übersetzte zahlreiche Handbücher und veröffentlichte 1898 schließlich sogar sein eigenes Buch ‚Das Golfspiel’, welches die erste deutsche Monographie über den Golfsport darstellt.
Leider konnten seine Bemühungen den Golfsport auch unter Jugendlichen zu etablieren, zur damaligen Zeit nicht fruchten. Bei Politikern und Sportlehrern gleichermaßen war Golf wie alle britischen Sportarten verpönt und zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es kaum mehr Jugendliche, die diesem Sport nachgingen. Stattdessen erhärtete sich das Vorurteil, dass Golf mehr ein Sport für ältere vornehme Herrschaften sei.
Die ersten Vereine in Deutschland
Neben den Entwicklungen in Bad Homburg und Bad Cannstatt, wurde Golf auch in den anderen deutschen Städten bald bekannt. Mit dem ‚Wiesbadener Golf Club’ wurde 1893 der erste deutsche Golfclub gegründet, der seinen Mitgliedern damals wie heute einen 9-Loch-Platz bot. Der ‚Berlin Golf Club’ (später ‚Golf Club Berlin’) in Berlin-Westend bezeichnet sich ebenfalls gerne als Deutschlands ältester Golfclub, wurde jedoch erst zwei Jahre später, im Jahr 1895, von Mitgliedern des amerikanischen und britischen diplomatischen Korps gegründet. Dem Wiesbadener und Berliner Beispiel folgten darauf bald weitere und bis 1907 entstanden elf Vereine, die zu dieser Zeit etwa 800 Golfspielern die Möglichkeiten darbot, ihren Sport auszuüben. Die Mitglieder der deutschen Golfvereine waren zu dieser Zeit jedoch häufig weniger Deutsche als in Deutschland ansässige Briten. Von den Deutschen war es auch nur der elitären Oberschicht möglich, den Clubs beizutreten. Berühmte Persönlichkeiten stellten darüber hinaus das Aushängeschild einzelner Vereine dar, so war z.B. der englische König Edward VII Ehrenmitglied des Bad Homburger Golfclubs.
Golf bei Olympia
Die Bedeutung, die Golf zu Beginn des 20. Jahrhunderts in aller Welt erhielt, wird auch daran erkenntlich, dass es in den Jahren 1900 sowie 1904 als olympische Disziplin zugelassen wurde. Golf und Tennis stachen bei den Olympischen Spielen 1900 in Paris auch dadurch hervor, dass nur in diesen Disziplinen Frauen zugelassen wurden. Leider wurde Golf nach 1904 nicht mehr in das Olympia-Programm aufgenommen, wobei sich die Golforganisationen in aller Welt stark bemühen, diesen Sport wieder olympisch werden zu lassen.
Die Gründung des Deutschen Golf Verbandes
Dass im Jahr 2007 – etwa 118 Jahre nach den Anfängen des deutschen Golfsports – eine Chronik mit dem Titel ‚100 Jahre Golf in Deutschland’ erschien, liegt darin begründet, dass 1907 der ‚Deutsche Golf Verband e.V.’ gegründet wurde. Dies war ein bedeutsamer Meilenstein für den deutschen Golfsport, wenngleich auch nicht sein Anfang. Am 26. Mai 1907 trafen sich die Vereine aus Baden-Baden, Bad Homburg, Berlin, Bremen, Hamburg, Kitzeberg, Leipzig und Reinbek auf einem Golftag in Hamburg und gründeten den DGV, zu dessen Präsident Johann Vincent Wentzel ernannt wurde.
Die ersten German Open
Von diesem Zusammenschluss angeregt formierten sich weitere Golfclubs in Deutschland, so auch der Oberhofer Golf-Club aus Thüringen, der von Verbandspräsident Wentzel die Zusage erhielt 1911 die ersten German Open – ein Turnier für Berufsspieler – zu veranstalten. Oberhof hatte durch seinen selbsternannten ‚Protektor’ Herzog Carl Eduard von Sachsen-Coburg und Gotha den Titel ‚Herzoglicher Golfclub’ erhalten und nahm eine bedeutende Sonderrolle in den deutschen Vereinen ein, sodass es als idealer Austragungsort galt. Finanzielle und bauliche Schwierigkeiten verzögerten das Turnier jedoch soweit, dass sich der vermögende Golf-Club Baden-Baden dazu entschied kurzfristig selber die German Open auszuschreiben. Wenngleich eine offizielle Anerkennung durch den DGV ausblieb und ein zweijähriger Streit folgte, gilt dieses Turnier heute allgemein als die ersten German Open. Mit einem Score von 279 konnte Harry Vardon von den britischen Kanalinseln das Turnier für sich entscheiden.
Die Wirren des Ersten Weltkrieges
Die fortschreitende Entwicklung im deutschen Golfsport erlitt jedoch schon bald darauf einen herben Rückschlag, als 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach. Der Krieg, die Nachkriegswirren, die massive Inflation und die internationale Isolierung führten dazu, dass sich der Golfsport nahezu zehn Jahre lang nicht weiterentwickeln konnte. 1921 konnten zumindest die Verbandsmeisterschaften wieder starten und so wie im ganzen Land der Aufbau voranschritt, lebte auch der Golfsport langsam wieder auf.
Der Aufschwung des Golfsports
Die deutsche Übergangswährung Rentenmark, welche 1923 eingeführt wurde, ermöglichte einigen wohlhabenden Personen privat finanzierte Golfplätze zu gründen, wodurch der Golfsport allmählich wieder Aufschwung erhielt. Dies verdeutlicht auch das Erscheinen der ersten deutschen Fachzeitschrift ‚Golf’, welche erstmals 1925 auf hochwertigen Papier gedruckt wurde. 1926 konnten nun endlich auch wieder die German Open ausgetragen werden, die in den folgenden Jahren mehrfach an den für Berlin-Wannsee spielenden Profi Percy Alliss gingen. Der Golfsport wurde in den 1920er Jahren zu einem zeitgemäßen Modesport und fand mehr und mehr Anhänger.
Golf im Dritten Reich
Die Entwicklung des deutschen Golfsports nach 1933 war hingegen weniger positiv. Ein Großteil der wohl- und machthabenden Clubmitglieder schloss sich offen dem Nationalsozialismus an und Golf wurde zu einer nationalen Angelegenheit erklärt. Die Inhaber der entscheidenden Positionen in den Golfclubs wurden nun vom Reichssportführer ernannt und der Golfsport nur noch Ariern zugänglich gemacht. Zahlreiche private Golfanlagen wurden dem Verband durch Zwangsenteignung zugeführt.1938 fanden die ersten Nationalen Deutschen Männer- und Frauenmeisterschaften für Arier statt.
Die Nachkriegszeit
Zum Ende des Zweiten Weltkrieges lösten die Alliierten alle deutschen Sportorganisationen auf, so auch den Deutschen Golf Verband. Die Golfanlagen wurden von den Besatzungsmächten in Anspruch genommen. Der Wiesbadenerin Nora Zahn, die schon seit 1929 im DGV tätig war, gelang es am 18. Oktober 1949 die alten Clubs zu einem Treffen des ‚Arbeitsausschusses Golf’ in Bad Ems zu vereinigen, bei welchem die Neugründung des DGV beschlossen wurde. In der DDR spielte Golf jedoch keine Rolle mehr. Doch nur wenige der Golfplätze in Deutschland haben den Krieg so gut überstanden, dass sie bald darauf wieder bespielbar sind. In diesen Vereinen jedoch lief das Clubleben bald wieder sehr ruhig ab und britische Soldaten spielten trotz Fraternisierungsverbot freundschaftlich mit deutschen Clubmitgliedern. Auf anderen Plätzen wie in Frankfurt und Garmisch erhielten die deutschen Golfspieler jedoch nur geringfügiges Spielrecht, da die amerikanischen Besatzer ihren Volkssport Golf möglichst weitreichend ausüben wollten. So wurden auf vielen Golfplätzen Regeln erschaffen, unter welchen gesonderten Bedingungen bzw. an welchen Tagen es Deutschen gestattet war die Anlage zu nutzen. Andere Golfplätze wiederum waren so stark zerstört, dass sie über Jahre nicht bespielbar waren.
Von den 1960er bis zu den 80er Jahren
Die Entwicklung in den ersten Jahren nach dem Krieg waren sehr schleppend und auch in den 1960er Jahren erfuhren die Golfvereine nur wenig Zuwachs. Erst gegen Anfang der 70er Jahre entwickelt sich der Golfsport in Deutschland wieder merklich fort und einige neue Landesgolfverbände wurden gegründet. 1975 wurden zum ersten Mal die German Open im ZDF übertragen und Harry Valerién konnte die Sportsendung moderieren, deren Highlight der Sieg Bernhard Langers war. Mit dem damals gerade 17jährigen Bernhard Langer begann in Deutschland ein neuer Golfboom. Im Fernsehen spielte Golf jetzt eine gewisse Rolle, wenn auch nur eine kleine, und die Mitgliederzahlen der Golfvereine stiegen stetig an. Klang die angepeilte Zahl von 10.000 Mitgliedern nach dem Krieg noch utopisch, war diese nun bald erreicht. Dank Bernhard Langer, der ab 1976 auch an der internationalen Profitour teilnahm, verbesserte sich auch der internationale Ruf des deutschen Golfsports.
Bernhard Langer
Sein Leben als Profigolfer konnte Bernhard Langer unter anderem auch dadurch führen, dass der Deutsche Golf Verband sich zum ersten Mal zu einer außergewöhnlichen Sponsorenrolle entschloss und Langer weitgehend förderte. 1979 und 1980 gelangen Bernhard Langer schließlich die ersten großen Erfolge, die ihm nicht nur eine große Summe an Preisgeld sondern auch internationales Renommee einbrachten. Mit kaum mehr als 20 Jahren galt Langer schon als größter deutscher Golfsportler aller Zeiten. 1986 wurde die offizielle Weltrangliste eingeführt und Bernhard Langer fand sich dort sofort an der Spitze wieder. Wenngleich er sich damals in der Hochphase seiner Karriere befand, ist der berühmteste deutsche Golfer auch heute noch im Profigolfsport aktiv dabei.
Golf in der DDR
Während der Golfsport in Deutschland immer mehr Zulauf erhielt, war er in der DDR fast ganz in Vergessenheit geraten. Von der Regierung verboten, wurde nur hin und wieder heimlich der Schläger geschwungen und das komplette Golfvergnügen war nur bei Reisen in die Tschechoslowakei möglich, wo es die einzigen für DDR-Bürger erreichbaren Golfanlagen war. Da der Zugang hierzu aber ebenfalls kostspielig war bzw. verschiedener Tauschgeschäfte bedurfte, waren es nur ca. 40 DDR-Bürger, die das Golfspielen dort regelmäßig betrieben.
Die Wiedervereinigung
Als es 1989 zur Maueröffnung und 1990 zur Wiedervereinigung der deutschen Länder kam, lebte der Golfsport auch im Osten langsam wieder auf. Vor der Wiedervereinigung wurde für wenige Monate der ‚Deutsche Golf Verband der DDR’ gegründet, bald darauf fand der Zusammenschluss der Verbände statt, welcher der erste der zahlreichen Sportzusammenschlüsse war.
Durch den Ruf als elitärer Sport gelang es dem Golfverband jedoch zunächst nicht Golf im Osten populär zu machen. Laut einer Statistik des DGV waren 1992 erst 94 Golfspieler der ehemaligen DDR als Mitglieder verzeichnet.
Brandenburg wurde jedoch schon bald zu einem Vorzeigeobjekt der deutschen Golfanlagen, da Investoren die Chance darin sahen durch die nahe Lage zu Berlin eine florierende Golfanlage zu schaffen. In den Jahren 1998 und 1999 konnten in dem Brandenburger Ort Bad Saarow sogar die German Open ausgetragen werden und inzwischen sind zahlreiche weitere schöne Golfanlagen im Osten entstanden. Während zu Beginn der 1990er Jahren die Fortschritte des Golfsports im Osten nur gering waren, wächst die Mitgliederzahl nunmehr in beiden Landesteilen Deutschlands deutlich an.
Golf im 21. Jahrhundert
2005 hat der Deutsche Golf Verband die imposante Zahl von 500.000 Mitgliedern überschritten und dabei seine Mitgliederzahl in nur zehn Jahren verdoppelt. Dabei hat in den letzten Jahren zunehmend ein Umdenken in der Hinsicht stattgefunden, dass der Golfsport auch der breiten Bevölkerung zugänglich gemacht werden soll. Schon 1999 startete z.B. die Jugendinitiative ‚Abschlag Schule’, die sich zur Aufgabe gemacht hat, Golf auch im Schulsport als Ergänzungssportart zu etablieren. Diese Initiative wird von der Vereinigung clubfreier Golfspieler unterstützt, welche es grundsätzlich ermöglicht, dass Golfspieler auch ohne Mitgliedschaft in vielen Anlagen spielen können. Dies ist ein weiteres Anzeichen für die allmähliche Lockerung der strengen Golfetikette. Für alle Hobbyspieler ist es jedoch meist weiterhin notwendig zunächst die offizielle Platzreife zu erlangen, die meist Grundvoraussetzung für die Benutzung der Anlagen ist. Doch es gibt durchaus auch Bestrebungen, ‚Pay and Play’-Anlagen zu bauen, die nach dem amerikanischen Vorbild keine Mitgliedschaft und teilweise auch keine Platzreife benötigen.
Ein weiterer Fingerzeig für die Zukunft ist die Entscheidung der Deutschen Schulsportstiftung vom 4. April 2007, bei der Golf nach zwei Testjahren als 16. Sportart in das Programm ‚Jugend trainiert für Olympia’ aufgenommen wurde. Zum einen zeigt dies die Bestrebungen schon Jugendliche an den Golfsport heranzuführen und das Image des ‚elitären Sports für ältere Herrschaften’ aufzubessern, zum anderen beweist es das Interesse Deutschlands, dass Golf wieder olympische Disziplin wird.
Auch im deutschen Profisport sind inzwischen Fortschritte zu beobachten. Zwar gab es seit Bernhard Langer keinen weiteren deutschen ‚Golf-Star’ mehr, doch Profispielern wie Tobias Dier, der sich schon Titel auf der European Tour sichern konnte und anderen jungen Spielern gelingt es immer wieder einmal auf sich aufmerksam zu machen.
Neue Trends
Im neuen Jahrtausend sind darüber hinaus noch moderne Trends und Abwandlungen des Golfsports entstanden, die häufig einen starken Kontrast zur eigentlichen Welt des Golfsports darstellen. Hier ist vor allem das Crossgolfen bekannt, bei welchem ohne großartige Regeln auf jeglichen Flächen gespielt wird, die sich zum Abschlagen der Bälle eignen. So werden z.B. gerne brach liegende Industrieanlagen genutzt, um von Gebäuden und anderen Orten den Golfball in die Ferne zu schlagen. Inzwischen gibt es sogar Turniere für Crossgolf und gerade bei jungen Leuten erfreut es sich zunehmender Beliebtheit. Ein weiterer Trend ist Snowgolf, bei dem in schönen Schneegebieten dem Golfsport nachgegangen wird. Inzwischen wird auch eine Snowgolf-WM ausgetragen. Und während für Golf für gewöhnlich riesige Flächen benötigt werden, behilft sich der Trend des Indoor-Golfs speziellen Golf-Simulatoren, welche nach dem Abschlag den Flug des Balls auf Monitoren virtuell darstellen.
Fazit
In über 100 Jahren hat sich das Bild des Golfsports sehr gewandelt und wenn die Entwicklungen im 20. Jahrhundert auch schwierig waren, haben sie die Grundlage dafür geschaffen, dass sich Golf im 21. Jahrhundert auf vielfältige Weise weiterentwickeln kann.
